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Lorenz Schoenbacher. Ungar, Hesse, Amerikaner.

Von John  A. S h i n p a u g h, Norristown, Pa., USA

Einleitung von Gerald  J.  B e r g h o l d, Winchester, Va., USA

Übersetzung von Albert  S c h u c h, Wien - Kleinpetersdorf

Einleitung

Schon so mancher Auswanderer, der im 19. Jahrhundert den burgenländischen Raum verlassen hat, wurde als einer der ersten Amerikawanderer bezeichnet. Auch Walter Dujmovits hat dem Thema der Erstauswanderung in seinem Buch "Die Amerika-Wanderung der Burgenländer" etliche Seiten gewidmet und eine Liste von Personen erstellt, die zwischen 1845 und 1950 vermutlich als erste ihre Dörfer verlassen haben. Wer wirklich der allererste war, wird man wahrscheinlich nie erfahren - es sei denn, jemand entdeckt einen Burgenländer in den Schiffsmannschaften von Leif Ericson oder Christoph Columbus. So werden wohl auch in Zukunft Fälle von früher Emigration auftauchen, die heute noch nicht bekannt sind. Die von John Shinpaugh für das Jahr 1777 dokumentierte Auswanderung seines Vorfahren Lorenz Schoenbacher dürfte jedenfalls über die Grenzen der Familienforschung hinaus von allgemein-historischem Interesse sein.

Die Identifikation "des Ersten" steht und fällt mit dem Finden von glaubwürdigen Quellen. In unserem Fall muß die Geburt im Gebiet des heutigen Burgenlandes ebenso belegt sein wie auch die Ankunft und die dauerhafte Ansiedlung in Amerika, und all diese Punkte müssen auch zeitlich eingeordnet werden können. John Shinpaugh hat diese Belege gefunden, und zwar zunächst im unter dem Akronym "HETRINA" bestbekannten Standardwerk "Hessische Truppen im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg", dem die Namen der hessischen Söldner, ihr Geburtsort, ihr Regiment sowie ihr weiteres Schicksal zu entnehmen sind. Die dortigen Angaben über den Geburtsort wurden durch die Matriken der r.k. Pfarre Markt St. Martin bestätigt, und auch zusätzliche Quellen aus amerikanischen Archiven belegen, dass John Shinpaughs Vorfahre Lorenz Schoenbacher der früheste heute bekannte Einwanderer aus dem burgenländischen Raum ist.

Weil Lorenz Schoenbacher als hessischer Söldner nach Amerika kam, soll hier kurz der historische Hintergrund geschildert werden: Die Revolte der nordamerikanischen Kolonien gegen die britische Oberhoheit nahm solche Ausmaße an, dass die Briten ihre Truppen aufstocken mussten. Im Oktober 1775 bezifferte die britische Armee ihren Bedarf mit 55.000 Mann. Eine derartige Streitkraft war auf den Britischen Inseln jedoch nicht verfügbar. In den Schichten der englischen Gesellschaft, aus der Soldaten rekrutiert werden konnten, hielt sich die Begeisterung für einen Kampf gegen die aufständischen Kolonisten in Grenzen, und Irland erfreute sich zu dieser Zeit einer ungewöhnlichen landwirtschaftlichen Prosperität. Interesse war nur in Schottland vorhanden, wo landhungrige Hochlandbewohner darauf hofften, im Zuge einer derartigen Expedition in den Weiten Amerikas zu Grundbesitz zu kommen. Kurz, die britische Regierung musste sich in anderen Ländern umsehen.

Deutsche Fürsten boten der britischen Regierung für gutes Geld Söldner an, und letztendlich stellten die Fürstentümer Braunschweig, Hessen-Kassel, Hessen-Hanau, Waldeck, Ansbach-Bayreuth und Anhalt-Zerbst den Briten insgesamt circa 30.000 Soldaten zur Verfügung. Darin sind schon die Verstärkungen eingerechnet, die im Verlauf des Krieges neu rekrutiert werden mussten. Allein in der Schlacht von Trenton beliefen sich die hessischen Verluste auf 1062 Gefallene, Verwundete und Gefangene. Die Zahl der Deserteure wird für den gesamten Krieg mit insgesamt ca. 6000 angegeben. Die Söldner waren den Kolonisten zwar als Soldaten einer fremden Macht generell verhasst (es gibt auch viele Erzählungen von angeblich verübten Grausamkeiten), aber als Deserteure wurden sie von deutschsprachigen Kolonisten im Osten Pensylvannias, in West-Virginia, sowie in Nord- und Süd-Carolina als Landarbeiter mit offenen Armen aufgenommen. Wer also seine hessische Uniform gegen Zivilkleider tauschte und sich auf den Weg nach Westen machte, wurde gleichsam über Nacht zu einem "normalen" deutschsprachigen Einwanderer. Einige der Deserteure dienten später sogar in amerikanischen Truppen, so auch Lorenz Schoenbacher.

Die britisch-deutschen Offiziere waren bei disziplinären Verstößen ihrer Soldaten nicht zimperlich: Auspeitschung mit dem eisernen Musketen-Ladestock oder noch ärgere Formen der Bestrafung für geringe Pflichtverletzungen waren an der Tagesordnung. Die Verpflegung war schlecht, der ohnehin kärgliche Sold kam meist mit Verspätung, und auch Krankheiten waren weit verbreitet. Angesichts dieser Zustände musste die Desertion als eine verlockende Alternative erscheinen, und dazu kam noch die Aussicht auf Freiheit und kostenlosen oder äußerst günstigen Landerwerb.

Die Vertragspartner der Briten mussten also im Verlauf des Krieges neue Rekruten anwerben. Dabei wurde so mancher mit mehr als fragwürdigen Methoden in den Dienst gezwungen, und es wurde auch außerhalb der Landesgrenzen geworben, ja sogar in Ländern, die dies ausdrücklich untersagt hatten. Die hessischen Quellen erwähnen u.a. Rekruten aus Hamburg, Preußen, Württemberg, Österreich, Bayern, Tirol, der Schweiz und dem Rheinland. Wo Lorenz Schoenbacher rekrutiert wurde, ist nicht bekannt, gesichert ist jedoch seine Geburt im heute burgenländischen Neutal.

Man kann nun zweifellos argumentieren, dass die Geschichte des Lorenz Schoenbacher keinen "typischen" Fall von Auswanderung darstellt, da er möglicherweise bei seiner Rekrutierung noch gar nicht an eine dauerhafte Ansiedlung in Amerika dachte. Wie auch immer, Lorenz Schoenbacher kam im Jahr 1777 nach Amerika und er blieb für immer in diesem Land. Bis zum Auftauchen eines noch früheren Einwanderers kann er daher wohl mit Recht als "erster Burgenländer in Amerika" bezeichnet werden.

John Shinpaugh hat die Lebensgeschichte seines Vorfahren Lorenz Schoenbacher 1988 in einer amerikanischen Zeitschrift publiziert. Sie war dort nur einem kleinen Leserkreis zugänglich, der keinerlei Bezug zum Burgenland hat. Über den "Burgenland Bunch", einen 1997 in den USA gegründeten gemeinnützigen Internet-Verein, dessen Mitglieder sich für Ahnenforschung und für die Geschichte und Kultur des burgenländisch-westungarischen Raumes interessieren, konnte nun der Kontakt zur Redaktion der "Burgenländischen Heimatblätter" hergestellt werden. Somit kann Lorenz Schoenbachers Schicksal auch in dem Land, in dem er 1752 geboren wurde, einem historisch interessierten Publikum zur Kenntnis gebracht werden.

Gerald J. Berghold, 327 Walker St., Winchester, VA 22601, USA

Email: <GBerghold@aol.com>Burgenland Bunch Homepage: <http://http://www.spacestar.com/users/hapander/burgen.html>

 

Lorenz Schoenbacher. Ungar, Hesse, Amerikaner.

Erstveröffentlichung in: The Journal of the Johannes Schwalm Historical Association, Inc., vol. 3, no. 4, 1988.

Die hessischen Soldaten, die im Jahr 1776 als britische Söldner nach Amerika kamen, waren großteils gut ausgebildet und gebürtige Hessen. Später Rekrutierte waren zumeist keine Berufssoldaten, und etliche stammten gar nicht aus Hessen. Von den circa 30.000 hessischen Soldaten, die nach Amerika kamen, blieben ungefähr 6000 für immer in den Kolonien - sie waren zuvor entweder desertiert oder aus dem Dienst entlassen worden. Dies ist die Geschichte eines jener Fremden in hessischen Diensten, der desertierte und in der Folge für seine neue Heimat kämpfte, der Amerikaner wurde. Seine Nachkommen leben heute in vielen Teilen der Vereinigten Staaten.

Laut HETRINA ("Hessische Truppen im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg") wurde Lorenz Schoenbacher, einfacher Soldat des Regiments Rall, in Neutal in Ungarn geboren. Die im Titel dieses Aufsatzes verwendete Namensschreibweise "Lorenz Schoenbacher" folgt dieser Quelle. Einen Überblick über die zahlreichen überlieferten Varianten gibt die folgende Tabelle:

Schreibweise Quelle

Zeit

Schenbacher r.k. Matriken Markt St. Martin (Heirat der Eltern)

Februar 1734

Schinpacher r.k. Matriken Markt St. Martin (Taufe)

Juli 1752

Schoenbacher HETRINA

November 1777

April 1779

Shanepaker Grundbuch Mecklenburg County, Nord-Carolina

April 1784

Shinpuker Schuldverschreibung, Süd-Carolina

Oktober 1784

Shinback Grundbuch Mecklenburg County, Nord-Carolina

Dezember 1787

Shinpicker Landverleihung, Süd-Carolina

April 1789

Shinpock Volkszählung der Vereinigten Staaten

1790

Shenpagel Grundbuch Mecklenburg County, Nord-Carolina

August 1794

Shinpock Volkszählung der Vereinigten Staaten

1800

 

Die Matriken der katholischen Pfarre von Markt St. Martin bestätigen die Angaben der HETRINA und nennen Michael Schenbacher und Elisabetha Kollman als Eltern von Lorenz. Auch die Heirat der beiden am 28. Februar 1734 ist dort verzeichnet. Michael war der Sohn von Philip und Susanne Schenpacher, seine am 19. Oktober 1711 getaufte Gattin die Tochter von Andreas und Maria Kollman. Die Eltern und Großeltern des am 21. Juli 1752 getauften Lorenz (im Taufbuch: Laurentius) waren wahrscheinlich Bauersleute, über ihre Lebensumstände ist aber nichts Näheres bekannt. Ob Lorenz Schoenbacher Geschwister oder sonstige nahe Verwandte hatte, konnte noch nicht festgestellt werden.

Die genauen Umstände der Rekrutierung von Lorenz Schoenbacher sind nicht bekannt. Von drei möglichen Szenarien einer Anwerbung durch Offiziere aus Hessen-Kassel erscheinen die beiden ersten am plausibelsten: Unter den hessischen Söldnern gab es freiwillige Zivilisten, die auf der Suche nach einem besseren Leben waren und glaubten, dieses in Amerika zu finden. Weiters wurden auch Fremde, die in einem der deutschen Staaten arbeiteten oder auf der Durchreise waren, zwangsrekrutiert und gegen ihren Willen nach Amerika verfrachtet. Lorenz könnte also durch List oder Zwang rekrutiert worden sein, unter dem Einfluss von Alkohol und mit den verschiedensten Versprechungen. Drittens gab es schließlich natürlich auch Berufssoldaten, die sich Abenteuer und Ruhm erhofften, die auf der Suche nach Anerkennung und militärische Karriere waren.

Was immer auch auf Lorenz zugetroffen haben mag, er war wahrscheinlich nicht unter den Männern, die mit den ersten beiden Truppenkontingenten Hessen-Kassel verließen und im April bzw. Juni 1776 in Bremerhaven-Lehe (8647 Mann unter dem Kommando von Generalleutnant von Heister) bzw. Cuxhaven (3056 Mann unter dem Kommando von Generalleutnant von Knyphausen) eingeschifft wurden. Es ist anzunehmen, dass er mit dem ersten von sieben folgenden Kontigenten nach Amerika kam, das in der Stärke von 962 Mann und unter der Führung von Oberst von Wöllwarth am 11. Mai 1777 Kassel verließ.

Im November 1777 finden wir Lorenz Schoenbacher als Neuzugang in den "Monatlichen Listen" des Vereinigten Regiments verzeichnet. Diese Einheit hatte die Überreste des bei Trenton aufgeriebenen Regiments Rall aufgenommen und war zu dieser Zeit in der Nähe von Philadelphia stationiert. Im Juni 1778 verließ das hessische Vereinigte Regiment mit den britischen Streitkräften das dortige Lager und kehrte nach New York zurück. Im Juli 1778 wurde das Regiment Rall wiederaufgestellt, und der Soldat Lorenz Schoenbacher in die Leibkompanie dieser Einheit eingereiht.

Das Regiment Rall war eine von 13 Einheiten der 1. Hessischen Division, die im Frühjahr 1776 in Richtung der Amerikanischen Kolonien gesegelt waren und im August 1776 Staten Island erreichten. Das Regiment machte die britischen Feldzüge in den nördlichen wie auch in den südlichen Kolonien mit. Im Norden operierte es von August 1776 bis November 1778; bis zur Niederlage bei Trenton, New Jersey, (26. Dezember 1776) als eigenständige Einheit, danach von Jänner 1777 bis Juli 1778 als Teil des Vereinigten Regiments. In diesem Zeitraum nahm das Regiment an den Schlachten von Long Island, White Plains, Fort Washington, Trenton, Brandywine, Germantown, Philadelphia und Monmouth teil. Von Juli bis November 1778 lag das Regiment in New York in Garnison und sah keine Kampfhandlungen. In dieser Zeit wurden die Verluste ersetzt, indem die neu eingetroffenen Rekruten nach entsprechender Ausbildung in die Mannschaft eingegliedert wurden. Das britische Oberkommando hatte sich mittlerweile zu einem militärischen Schlag gegen die südlichen Kolonien entschlossen, und das Regiment Rall war mit einem weiteren hessischen und mehreren britischen Regimentern dazu ausersehen, diese Operation durchzuführen. Am 6. November 1778 verließen diese Truppen unter dem Kommando von Oberst Archibald Campbell mit versiegelten Befehlen den Hafen von New York, am 23. Dezember 1778 gingen sie außerhalb der Stadt Savannah in Georgia an Land. Auf dem südlichen Kriegsschauplatz war das Regiment Rall in Savannah, Charleston und Stono Ferry an Kampfhandlungen beteiligt. Das Regiment kehrte im November 1782 nach New York zurück, und im Jahr 1783 nach Europa, aber ohne Lorenz Schoenbacher.

Die britische Expeditionsarmee nahm Savannah am 29. Dezember 1778 ein. Anscheinend war dies die einzige Kampfhandlung, an der Lorenz teilnahm. Am 25. April 1779 desertierte er in voller Montur aus einer vorgeschobenen Stellung am Savannah-Fluss, wo er als Wache Dienst versah; in den Akten wurde vermerkt, dass er 5 Fuß 5 Zoll (ca. 165 cm) groß war. Genau drei Tage später überschritt Oberst Campbell mit seinen Truppen den Savannah-Fluss und begann seinen ersten Marsch auf Charleston.

Nachdem Lorenz seine Einheit verlassen hatte, führte ihn sein Weg wahrscheinlich über Süd-Carolina in Richtung von Charlotte in Nord-Carolina. Seine genaue Route, seine Ziele und Aktivitäten zwischen April 1779 und April 1784 sind nicht bekannt, mit einer Ausnahme: Irgendwo kreuzte er die Wege von Thomas Sumter und diente danach ungefähr 10 Monate lang in dessen Truppen.

Thomas Sumter organisierte zwischen Juni 1780 und Jänner 1782 zwei Einheiten von Freiwilligen, die unter seiner Führung gegen die Briten und Tories (Kolonisten, die loyal zur britischen Regierung standen; Loyalisten) in Süd-Carolina kämpften. Von Juni 1780 bis März 1781 rekrutierte und führte er eine Einheit von Veteranen und freiwilligen Milizionären. Er machte jedoch bald die Erfahrung, dass diese Milizen keinen hohen Kampfwert hatten: ihre Dienstzeit betrug nur 60 Tage, Ausbildung und Disziplin waren mangelhaft, etc. Sumter zog die Konsequenzen aus diesen Erfahrungen und entschloss sich im März 1781 - er war jetzt bereits Brigadegeneral - zur Aufstellung vom mehreren bundesstaatlichen Regimentern (State Troops) mit einer Dienstzeit von 10 Monaten. Um genügend Rekruten zu gewinnen, machte Sumter seinen Soldaten ein lukratives Angebot. Jeder Soldat erhielt: Kleidung, Schuhe und eine Decke; ein Pferd, komplette Ausrüstung und Bewaffnung; einen Sklaven; einen Anteil an der Beute im Falle von Plünderungen. Die Familie des Soldaten erhielt darüber hinaus ein halbes Bushel (17.62 Liter) Salz. Offensichtlich waren viele der höheren Offiziere von Sumters Milizen mit diesen Plänen einverstanden, denn sie wechselten zu den neuen Regimentern und begannen sofort mit den Rekrutierungen: In Süd-Carolina gingen Oberleutnant (OLt) Hill zur New Acquisition; OLt John Thomas ins Quellengebiet der Flüsse Enoree und Pacolet; OLt Myddelton in das Gebiet zwischen den Flüssen Wateree und Congaree und OLt Henry Hampton in die Gegend des Broad River; nach Nord-Carolina gingen OLt William Polk und OLt Wade Hampton.

Einer der Männer, die sich OLt Wade Hamptons Regiment anschlossen, hieß Lawrence Shinpecker - was der englischen Schreibweise des Namens Lorenz Schoenbacher entspricht. Beginn und Ende seines Dienstes sind nicht genau bekannt, aber er befand sich jedenfalls zwischen April 1781 und Jänner 1782 in Sumters bundesstaatlichen Regimentern. In dieser Zeit unternahmen Sumters Truppen mehrere Angriffe auf die Briten und die Loyalisten. Die Schlachten und ihre Resultate sind aus der folgenden Tabelle ersichtlich.

Zeit Ort Gegner Ausgang
April Fort Granby Loyalisten Rückzug Sumters
Mai Friday's Ferry Britische Wache 12 Briten gefallen
11. Mai Orangeburg Loyalisten 85 Loyalisten gefangen
17. Juli Quimby Plantation Britische Truppen 30 Gefallene, 30 Verwundete
25. Juli Georgetown keiner Plünderung der Stadt
8. Sept. Eutaw Springs 1800 Briten und Loyalisten Sumters Truppen (2400 Mann): 139 Gefallene, 375 Verwundete und 8 Vermisste.

Briten: 85 Gefallene, 351 Verwundete, 430 Vermisste (davon 400 gefangengenommen)

 

Bei Eutaw Springs wurden die bundesstaatlichen Truppen von Colonel William Henderson kommandiert, weil Sumter infolge Verwundung und Erschöpfung körperlich und mental geschwächt war. Unter den gegnerischen britischen Truppen kämpfte hier auch das hessische Regiment Rall, aus dem Lorenz Schoenbacher desertiert war.

Lorenz beendete seinen Dienst im Frühjahr 1782. Wahrscheinlich kehrte er in der Folge nach Nord-Carolina zurück, wo seine Anwesenheit im Jahr 1784 wieder belegbar ist. In der Zwischenzeit schlug er sich vermutlich als Landarbeiter durchs Leben und es gelang ihm offensichtlich auch, sich etwas Geld zu ersparen. Denn am 10. April 1784 kaufte er von David und Hannah Griffith 200 Acres (80,94 ha) Land in Mecklenburg County, nahe an der Grenze zu Süd-Carolina. Etwa zur selben Zeit lernte er wohl auch seine spätere Frau Rosanna kennen. Indessen hatte die Regierung von Süd-Carolina beschlossen, die Veteranen des Revolutionskriegs für ihren patriotischen Dienst zu belohnen. Daher wurde im Oktober 1784 ein auf den Namen von Lawrence Shinpuker lautender Staatsschuldschein über den Betrag von 94 Pfund Sterling ausgestellt:

Issued the first October 1784 to Mr. Lawrence Shinpuker, late Private in Burns Troop W. Hamptons regiment and Sumters Brigade State Troops for ninety-four pounds Sterling being amount pay and bounty due him for Services in that Troop together with Interest thereon from the first April 1782 to date hereof agreeable to resolution of General Assembly of the Eleventh March last-

  • Principal £94 0 0

    Interest 6 11 7

    (Quelle: South Carolina Original Stub Entry, Book M., N. 243, 1. Oktober 1784)

  • Im Jahr 1787 wurden im Distrikt Cheraw (dem späteren Chesterfield County) 100 Acres (40,47 ha) Land vermessen und von der Regierung Süd-Carolinas Lawrence zugesprochen:

    South Carolina - I do hereby certify for Lawrence Shinpiker a Tract of Land containing One hundred acres (Surveyed for him the 22nd Nov 1787) Situated in the District of Cheraw on the Dead Pine Creek and East side of Lynches Creek and hath such form, marks, buttings, and boundings as the above plot represents. - Given under my hand this 28th March 1789. F. Bremar, Surveyor General

    (Quelle: South Carolina State Plats, Vol. 24, S. 276, 28. März 1789, Survey of Land for Laurence Shinpiker)

    Im Jahr 1789 ging dieses Landstück schließlich auch formell in sein Eigentum über. Im März 1785 übersiedelten Lawrence und Rosanna - schon verheiratet - nach Montgomery County, wo im Dezember dieses Jahres ihr erstes Kind geboren wurde: ein Sohn namens Michael. In der ersten amerikanischen Volkszählung von 1790 finden wir Lawrence Shinpock im Montgomery County mit seiner Frau, einem Sohn und einer Tochter. 1790 wurde auch der zweite Sohn, Henry, geboren, und um 1792 folgte der dritte Sohn, John.

    Im Zeitraum 1793-94 übersiedelte Lawrence mit seiner Familie nach Chesterfield County in Süd-Carolina, aller Wahrscheinlichkeit nach auf die 100 Acres, die ihm von der dortigen Regierung für seine Kriegsdienste zugesprochen worden waren. Im August 1794 war das Paar noch einmal in Nord-Carolina - in geschäftlicher Angelegenheit: Sie verkauften die 200 Acres in Mecklenburg County, die Lawrence 1784 erworben hatte. Danach kehrten sie wahrscheinlich nach Chesterfield County zurück. 1797 zogen sie erneut nach Montgomery County, wo 1798 ihr vierter Sohn, William, geboren wurde. 1800 kam schließlich der fünfte und letzte Sohn, Joseph, zur Welt. Die Volkszählung von 1800 erwähnt Lawrence Shinpock, über 45 Jahre alt, im Montgomery County, mit seiner Familie, bestehend aus seiner Frau, ebenfalls über 45 Jahre alt, einer Tochter und zwei Söhnen in der Altersklasse von 10-16, sowie drei Söhnen unter 10 Jahren.

    Zwischen 1800 und 1810 wurde das Leben der Familie vor allem von zwei Ereignissen geprägt, deren Reihenfolge nicht bekannt ist. Das eine war der Tod von Lawrence, das andere die Übersiedlung der Familie - mit Ausnahme von Michael - aus Nord-Carolina nach weiter im Westen gelegenen Gebieten, insbesondere nach Knox County in Tennessee. Lawrence könnte vor, während oder nach der Reise dorthin gestorben sein. Jedenfalls scheint sein Name nach der oben zitierten Erwähnung in der Volkszählung von 1800 nie wieder auf.

    Seine Familie bestand also aus seiner Frau, einer Tochter, und fünf Söhnen. Die Identifizierung dieser Familienmitglieder basiert großteils auf zwei Komponenten: Zum einen auf dem Namen Shinpock, und zum zweiten darauf, dass es keinen Hinweis auf einen anderen Träger dieses Namens zu Lebzeiten von Lawrence gibt.

    Über seine Frau Rosanna ist nicht sehr viel bekannt. Auch ihr Vorname wird nur in dem schon zitierten Grundbuchseintrag von 1794 erwähnt. Nachdem sie in der Volkszählung von 1800 der Kategorie "über 45 Jahre" zugeordnet wird, muß sie vor 1755 geboren worden sein. Laut den Heiratsmatriken von Knox County, Tennesse, vermählte sich eine Rosannah Shinpock am 16. November 1810 mit John Cunningham. Diese Rosannah war allem Anschein nach die Witwe von Lawrence. Mehrere Mitglieder der Familie Cunningham wurden im Simpson Friedhof in Knoxville, Tennesse, begraben. Einer der dortigen Grabsteine trägt die Inschrift: "Rosannah Cunningham, Aged 59 years". Wenn diese Rosannah die Witwe von Lawrence war, dann muss sie zwischen 1810 und 1815 verstorben sein.

    Die einzige Tochter von Lawrence wurde zwischen 1785 und 1790 geboren; in der Volkszählung von 1800 wird sie in die Kategorie "10-16 Jahre" eingeordnet. Über sie konnten keine weiteren Informationen gefunden werden. Der erstgeborene Sohn Michael, den Lawrence wahrscheinlich nach seinem Vater benannt hat, kam im Dezember 1785 in Montgomery County, Nord-Carolina, zur Welt. 1806 heiratete er Rosena Melchor, und zwar in Cabarrus County, Nord-Carolina. Ihre Kinder waren: John, Moses, Daniel F., Elizabeth, Anna Margaret und Jacob L. - Michael und Rosena verstarben am 26. Oktober 1850 und wurden im Mount Pleasant Friedhof in Cabarrus County begraben. Ihre Nachkommen schreiben sich entweder Shimpock oder Shimpoch.

    Der zweite Sohn von Lawrence, der um 1790 geborene Henry, ehelichte im März 1812 in Knox County (Tennessee) Elizabeth McDaniel. Elizabeth gebar ihm zwei Kinder, Henry und Mary. Im September 1813 rückte Henry Shinpock zur Miliz von Tennessee ein und diente im Krieg von 1812 unter Hauptmann Steward und General Jackson. Er erkrankte und starb im Dezember 1814 im Fort Montgomery, Alabama, wo er auch begraben wurde. Seine Witwe erhielt in der Folge eine staatliche Pension. Im Jahr 1818 brachte sie einen weiteren Sohn, William, zur Welt. Henrys Nachkommen schreiben ihren Namen Shinpaugh - der Autor dieses Artikels ist einer von ihnen.

    Der um 1792 in Nord-Carolina geborene dritte Sohn, John, heiratete 1811 in Knox County (Tennessee) Mary Crowder. Mit seiner Frau zog er nach Alabama, wo sie zuerst im Madison County und nach 1819 im Limestone County wohnten. Beim Grundstückskauf in Limestone County im Jahr 1819 fungierte Johns Bruder William als Zeuge. John diente im Krieg von 1812 von 20. Februar bis 23. März 1814, wofür er als Prämie einen Anspruch auf 160 Acres (64,75 ha) Land bekam. Mit seiner Frau Mary hatte er mindestens neun Kinder: Sarah H., Caroline, John C., Thomas G., William H., Mary E., Martha A., Maria L.B. und Olivia. 1850 übersiedelte er nach Mississippi, später weiter nach Arkansas, wo er im November 1865 im White County starb. Seine Nachkommen schreiben sich Shinpoch bzw. Shinpock.

    Der vierte Sohn von Lawrence und Rosanna war der um 1798 in Nord-Carolina geborene William. 1826 verheiratete er sich im Hardeman County, Tennessee, mit Martha Carroll. 1830 finden wir ihn in Fayette County, Tennesse, 1840 in Carroll County, Mississippi, und 1850 und 1860 in Union Parish, Louisiana. Seine Kinder waren: Joseph, Egbert, William, Robert, Allen, Mathi E. und John D. Er starb zwischen 1860 und 1870. Seine Nachkommen schreiben sich Shinpoch.

    Der jüngste Sohn von Lawrence, der 1800 geborene Joseph, lebte von 1815 bis zumindest 1827 in Alabama. 1830 und 1840 war er in Fayette County, Tennessee. Dort starb er am 31. Jänner 1841, und ebendort wurde er auch begraben. Sein Testament erwähnt seine Frau Amelia Jane, seinen Bruder William und seinen Neffen Joseph Shinpock Jr. Offensichtlich blieb er kinderlos.

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    Über den Autor:

    John Arthur Shinpaugh, geb. 14. April 1937 in Maryville, Tennessee, USA;
    Pflichtschule in Maryville; 1959 Graduation zum Bachelor of Arts (Religionserziehung und Bibelkunde) am Carson-Newman College in Jefferson City, Tennessee;
    1973 Graduation zum Master of Science (Management) an der University of Arkansas in Fayetteville, Arkansas;
    diente von 1959 bis 1984 in der United States Air Force, zuletzt im Rang eines Lieutenant Colonel;
    Anschrift: 1977 Berkley Rd, Norristown, PA 19403, USA;
    E-Mail: <
    JOHNSHINP@aol.com>