Make your own free website on Tripod.com
Zur Frühgeschichte des Begriffs "Hianzen"
 
Johann Matthias Korabinszkys schon oft zitierten "Almanach von Ungarn auf das Jahr 1778" kann man wohl nach wie vor als geographisch-ethnographische "Geburtsurkunde" der Hianzen bezeichnen. Die "Hienzey", so heißt es dort, sei "eine Landschaft 6 Meilen lang und soviel breit, in der Gegend um Güns herum. Die Inwohner sind Ueberbleibsel von den alten Gothen, haben ihre besondere Sprache, und ihre Trachten. Die Weiber tragen meist schwarze Kittel mit vielen Falten. Die Männer meist weiße Röcke und einen runden herabgelassenen Hut."

Franz Probst hat schon vor längerer Zeit auf einen noch zwei Jahre älteren Beleg für die Verwendung des Wortes aufmerksam gemacht: Im Text der Marionetten-Operette "Die Fee Urgele", die 1776 in Esterhaz aufgeführt wurde, fand er das Wort "Hienzin" als Schimpf- und Spottwort gebraucht.

In der Festschrift für Johann Seedoch (erschienen 1999 als Sonderband XXII. der "Burgenländischen Forschungen") befasst sich nun Harald Prickler unter dem Titel "Das Dach des Burgenlandes" mit der Geschichte des Namens "Geschriebenstein". Im Rahmen der Einleitung kommt er auch kurz auf die hier heimischen Hianzen zu sprechen:

"Schriftlich taucht der Begriff "Hienzen" erstmals nach der Mitte des 18. Jahrhunderts auf, als Bezeichnung für Wagenfuhren, die mit Waren die Maut von Kittsee auf der Reise nach Preßburg passierten; es gibt auch Hinweise, daß am anderen Endpunkt der Reise die steirische Hauptstadt Graz lag. Über den Inhalt dieser Wagenfuhren schweigt die Quelle, wir möchten aber annehmen, daß es sich in erster Linie um Lohnfuhrwerk in fremdem Auftrage gehandelt hat, dessen sich die arme Bevölkerung des hienzischen Kernlandes zur Aufbesserung ihres kargen Lebensunterhaltes bediente, ähnlich, wie seine jungen Burschen und Mädchen sich saisonweise beim Getreideschnitt und -drusch in der Ungarischen Tiefebene bzw. als Hauer und "Grünarbeiterinnen" in den Weinbau-Monokulturzonen ein Zubrot verdienten."

Da als Quelle die im Esterházy-Familienarchiv Forchtenstein aufbewahrten Mautregister von Kittsee der Jahre 1757, 1765-1776, 1786-1800, 1809-1824 genannt werden, können wir davon ausgehen, dass die erste Erwähnung aus dem Jahr 1757 datiert.

Albert Schuch